Arbeitslosigkeit als Verantwortlichkeitsbereich

Die Arbeitslosenpolitik ist ein Umstand der scheinbar keiner Diskussion würdig ist. Seit den Siebziger Jahren haben wir uns in Deutschland immer weiter von der Vollbeschäftigung entfernt. Dabei ist das Hauptproblem noch nicht einmal die zunehmende Arbeitslosenquote, sondern der drastische Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Als Langzeitarbeitsloser gilt man, wenn man ein Jahr und darüber hinaus bei der Arbeitsagentur als „Arbeitsuchend“ gemeldet ist. Doch je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto schwieriger wird die Rückführung in die Arbeitswelt. Im schlimmsten Fall droht der Verlust der beruflichen und sogar sozialen Qualifikationen. Ein scheinbar auswegloser Teufelskreis, der die Menschen an ihr Los der Arbeitslosigkeit bindet.

Wem obliegt es nun, den Kampf mit der Arbeitslosigkeit auszutragen? Die Antwort darauf beruht auf einer Gegenfrage: „Wer hat die Macht und die nötigen Mittel um gegen die Arbeitslosigkeit vorzugehen?“ Sicherlich ist es Aufgabe des Staates mit aller Macht die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Jedoch haben die neuesten Ereignisse eindrucksvoll bewiesen, dass reine Arbeitsbeschaffung keine langfristigen Erfolge bietet. Dumpinglöhne, regelrechte Ausbeutung und ungeheuere Summen an Staatsgeldern die im Nichts verpufften, haben lediglich für Empörung und Entrüstung innerhalb der Bevölkerung geführt. Die Möglichkeiten des Staates sind stark begrenzt. Doch wo die staatliche Macht aufhört, da beginnt die Eigenverantwortung jedes einzelnen Bürgers.

Es ist wichtig sich bewusst zu werden was neue Arbeitsplätze schafft ohne jedoch die Erwerbstätigkeit als Lebensgrundlage zu gefährden. Dabei ist dieser Gedanke längst überfällig. Doch Politiker trauen sich keine unangenehmen Wahrheiten auszusprechen. Schließlich sind die Wählerstimmen wichtiger, als die Wähler selbst. Möchte man dies aber der Politik vorhalten, muss man sich erst an die eigene Nase fassen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, Veränderungen schrecken ab. Schließlich verlangt jeder nach einer optimalen Lösung, die aber bitteschön „die Anderen“ betrifft und man selbst soll nur mit Arbeit versorgt sein, wobei auch diese entbehrlich wird, solange das Einkommen stimmt.

Die utopische Vorstellung nach einer ultimativen Lösung, die wie eine Erleuchtung vom Himmel fährt und das Problem der Arbeitslosigkeit beendet, hat als solche längst ausgedient. Stattdessen braucht es viele kleine Einzelschritte die zum Erfolg führen. Dabei geht es nicht von heute auf morgen, denn die Arbeitslosigkeit verlangt einem in jeder Hinsicht einiges an Ausdauer ab. Ist man sich nun der Komplexität des Sachverhalts bewusst ist auch eine grundlegend neue Betrachtung der Arbeitslosigkeit möglich.

Um zu erläutern wann ein Unternehmen neues beziehungsweise zusätzliches Personal einstellt, muss man den Blickwinkel ändern und sich in die Lage des Arbeitgebers versetzen. So ist es offensichtlich, dass ein Unternehmen dann Personal einstellt, wenn der Ertrag höher ist als der Aufwand. Ertrag bildet sich in diesem Fall aus der Produktionsrate bzw. der Arbeitsleistung und dem Absatzpreis. Der Aufwand setzt sich zusammen aus Lohn- und Gehaltskosten, dem Steuerlichen Aufwand, aber auch aus dem Risiko welches man mit einem neuen Mitarbeiter eingeht. Denn es ist ebenso gut möglich, dass sich ein Mitarbeiter als Fehlinvestition erweist und man aber aufgrund der Gesetzlage diesen aber nur schwer oder gar nicht kündigen kann.

Schlussfolgernd kann man sagen, dass es besonders wichtig ist, den Arbeitslosen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Der Arbeitgeber muss in der Lage sein, sein Personal frei wählen zu können. Die Einstellung neuer Mitarbeiter muss zu einer Selbstverständlichkeit werden, statt zu einem Risikospiel.